Ray Barretto: Acid

Ray Barretto war ein Nuyorican, also ein in New York geborener und aufgewachsener Puerto-Ricaner. Als solcher war er sowohl mit lateinamerikanischen als auch afro-amerikanischen Rhythmen vertraut. Barretto hatte in der Latin-Band seines Landsmannes Tito Puente Conga gespielt, bevor er in den Jazzbands von Lou Donaldson, Dizzy Gillespie und Wes Montgomery für eine lateinamerikanische Grundstimmung sorgte.

Ray Barretto war sehr vielseitig und kannte offensichtlich keine musikalischen Grenzen. Bald brachte er Platten als Bandleader, also unter eigenem Namen, heraus. Nach vier Alben für United Artists unterschrieb Barretto 1967 bei dem auf lateinamerikanische Musik spezialisiertem Label Fania Records. Kurz darauf veröffentlichte er ein Boogaloo-Album mit dem zeitgeistigen Titel „Acid“, die Idee hierzu kam vom Labelchef Jerry Masucci. Mit seiner Mischung aus Latin, Soul und Rock, frisch geschöpft aus dem New Yorker Schmelztiegel, erweiterte „El Nuevo Barretto“ den Horizont des Boogaloo um mindestens 2000 Lichtjahre. Das Genre hatte er wenige Jahre zuvor mit „El Watusi“ quasi im Alleingang etabliert.

Der Boogaloo ist eine Synthese aus mehreren Musikstilen. Die Basis ist ein lateinamerikanischer Rhythmus (Son montuno, Cha-Cha-Cha) mit afroamerikanischen und europäischen Zutaten. Das können Jazz, R&B und – wie im vorliegenden Falle – auch Rock sein. Egal, wie schwer die schwarzen oder weißen Anteile wiegen, der Boogaloo ist in jedem Fall eine Verbindung von spanischsprachiger (Karibik) und englischsprachiger (USA) Kultur. Eine Mischung, die man auch in den Lyrics wiederfindet.

Das Album „Acid“ mit dem gleichnamigen Track ist weniger psychedelisch, als es Titel und Plattencover vermuten lassen. Am ehesten trifft es noch der Track „Espiritu Libre“, der wie ein Soundtrack innerer Bilder oder ein musikalisches Hörspiel ohne Worte daherkommt. Eingängigere Beispiele sind „The Soul Drummers“ und „A Deeper Shade of Soul“, eine Anspielung auf „A Whiter Shade of Pale“ von Procul Harum aus dem Vorjahr. Einfach anhören und sich selbst ein Bild malen!

Quelle
Fania Records: Acid

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Veröffentlicht von

andileser

Ich bin außer mir.