Grace Jones

Die gebürtige Jamaikanerin Grace Jones ist Model, Sängerin, Schauspielerin, Genda-Benda und Disko-Ikone. Am Anfang ihrer beispiellosen Karriere stand ein psychedelischer Trip.

Sie tritt gern halbnackt auf, leicht bekleidet mit einem Höschen und extravaganter Kriegsbemalung. Dazu singt sie „Slave to the Rhythm“ und lässt auf ihren Hüften unablässig einen Hula-Hoop-Reifen kreisen. Und das im Rentenalter.

Grace Jones wurde von ihrem Stiefvater mit dem Prügelstock und der Bibel erzogen. Mit 18 Jahren flüchtete das eigenwillige Mädchen in eine Hippiekommune in den USA. Dort machte sie in Begleitung eines Tripsitters ihre erste LSD-Erfahrung. In ihrer Autobiografie widmet sie dem Ereignis mehrere Seiten:

„Acid intensiviert die Wirklichkeit so sehr, bis sie fast schon unwirklich erscheint. Man begreift plötzlich, dass das Universum nicht statisch ist, sondern sich die ganze Zeit bewegt.“

Und weiter: „Das Acid war sehr wichtig für mein emotionales Wachstum und meine Mission, ganz ich selbst zu werden. Mir wurden die Augen geöffnet, wie es in der Genesis heißt. Fortan wusste ich besser zwischen Gut und Böse zu unterscheiden, als es diese vielen Stunden mit der Bibel vermocht hatten. Dank Acid konnte ich mich von einer Anhäufung unlogischer Sitten und Gebräuche befreien.“

Liest man jedoch genauer, erfährt man, dass es sich bei dem verwendeten Halluzinogen um das oftmals als „Super-LSD“ angepriesene Dimethoxymethylamphetamin (DOM/STP) handelte. Das zeigte sich auch an der Wirkungsdauer von drei (!) Tagen.

Diesen ersten Trip bezeichnete Jones als ihre Widergeburt: „I was born. Again. This is me. Turn me loose.“ Danach begann ihre Karriere als Fotomodel und Playmate. Auch zählte sie später den LSD-Apostel Timothy Leary zu ihren Freunden.

Allerdings sind ihr auch die Schattenseiten bewusst: „Ich hatte einige Freunde, die Acid genommen haben, und nicht mehr zurückgekommen sind. Sie sind immer noch auf ihrem Trip! Ich habe zwei Freundinnen, denen das passiert ist.“

Über sich selbst sagt sie: „Ich bin sehr feinfühlig und übersinnlich veranlagt. Ich kann aber nicht sagen, ob es mit dem Acid zu tun hat oder ob ich mit dieser Veranlagung geboren wurde.“

Quelle
Grace Jones: I’ll Never Write My Memoirs, London 2015.
Sophie Fiennes: Amazing Grace: Bloodlight and Bami, Irland 2016.

Veröffentlicht von

andileser

Ich bin außer mir.